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Die Vier-Felder-Tafel: Ein [methodisch falsches] Essential der Prognoseforschung

Seit den 1970er Jahre galt die sogenannte Vierfelder-Tafel als ein Essential der Prognoseforschung. Mit ihr wurde begründet, dass die meisten Risikobeurteilungen von Straftätern falsch seien. Je nach Autor wurde eine 50 oder 70-prozentige Fehlerquote von falsch positiven Einschätzungen genannt. Falsch positiv bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ein Täter fälschlicherweise als rückfallgefährdet beurteilt wurde. Also er wird als «gefährlich» eingeschätzt, ist in Wahrheit aber «ungefährlich».

Kein Lehrbuch, kein Kongress, ohne dass dieses scheinbar basale Wissen vermittelt worden wäre. Obwohl die Vierfelder-Tafel und die angebliche Problematik der falsch positiven Einschätzungen über Jahrzehnte von Kriminologen, Juristen, Psychiatern und Psychologen in immer gleicher Weise dargelegt wurde, beruht dieses vermeintliche Essential auf einem methodischen Missverständnis. Ich habe dazu im zweiten Teil des Tutorials über Risikobeurteilungen ausführlich Stellung genommen.

An dieser Stelle will ich es lediglich bei zwei Hinweisen belassen:


Der erste Hinweis ist folgender kurzer Satz, der das Problem auf den Punkt bringt: Probabilistische Verhältnisse lassen sich nicht durch ein dichotomes Modell abbilden.

Der zweite Hinweis ist ein Grundlagenartikel, den ich 2004 zu diesem Thema veröffentlicht habe. Für diejenigen, die das Thema genauer nachlesen wollen, kann der Artikel unter nachfolgendem Link heruntergeladen werden.

Artikel 2004: Validität von Risikokalkulationen bei Straftätern ± Kritik an einer methodischen Grundannahme und zukünftige Perspektiven

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