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Falschbeschuldigungen

Es gibt grausamste und fürchterliche Formen des sexuellen Missbrauchs und brutaler Gewalt. Häufig sind die Folgen für Opfer dramatisch. Viele von ihnen haben Schwierigkeiten, dass ihnen geglaubt wird. Viele von ihnen kommen nicht zu ihrem Recht und sind allein schon aufgrund ihrer psychischen Situation nicht in der Lage, zum Beispiel einen Strafprozess durchzustehen. Hier gibt es nach wie vor großen Handlungsbedarf.

Gleichzeitig gibt es aber auch das Phänomen von Falschbeschuldigungen. Es kommt im Spektrum von klassischen False-Memories (Betroffene sind subjektiv der Überzeugung, dass ihre falschen Erinnerungen der Wahrheit entsprechen), aggravierten Erinnerungen (realer Kern, der subjektiv ausgebaut und verstärkt wird), subjektiv verzerrten, aber legitim erlebten Wahrheiten bis hin zu direkten und auch taktisch motivierten Falschbeschuldigungen vor. Letztere kommen zum Beispiel häufig in strittigen Trennungssituationen vor, indem vor allem Mütter die Väter irgendwelcher Übergriffe beschuldigen, um sich taktische Vorteile zu verschaffen. Die Folgen für die zu Unrecht beschuldigten Männer sind gravierend und führen oft zu behördlichen Maßnahmen, indem nun den Kontakt zu den Kindern abgebrochen oder von Amtspersonen überwacht wird.

Menschen, die mit solchen Falschbeschuldigungen konfrontiert werden, sind ebenfalls Opfer. Auch sie sind oft von dramatischen Folgen betroffen und haben es schwer, dass ihnen Glauben geschenkt wird und sie zu ihrem Recht kommen.

Es ist falsch, in einer polarisierten Diskussion beide Opfer gegeneinander auszuspielen. Das passiert aber immer wieder.

 

Ich selbst nehme seit geraumer Zeit eine Zunahme von Falschbeschuldigungen auf breiter Front und in ihren verschiedenen, oben kurz skizzierten, Erscheinungsformen wahr.

 

Personen, die von Falschbeschuldigungen betroffen sind, werden oft nicht ernstgenommen. Denn sie stehen im Widerspruch zu weit verbreiteten Stereotypien, wonach zum Beispiel man bei jedem Verdacht auf ein Sexual- und Gewaltdelikt sofort und unmissverständlich für das vermeintliche Opfer Partei ergreifen soll oder indem man Mühe mit dem Gedanken hat, dass Frauen nicht immer nur Opfer, sondern auch Täterinnen sein können.

  

Das Thema ist bislang nicht noch nicht in der Öffentlichkeit, Politik, bei Behörden und in der Justiz angekommen. Es befindet sich leider noch unter dem Radar. Umso wichtiger ist es, über die Dimension und die Folgen der Problematik zu informieren. Darum sind Artikel wie der von Bettina Weber so wichtig.



Artikel Sonntagszeitung von Bettina Weber vom 25.11.2023 (online - Abo):


Artikel Sonntagszeitung von Bettina Weber vom 25.11.2023 (PDF):





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